Montag, November 07, 2005

Heldenhafte Apotheker werden uns retten. Selbstverständlich!

Quelle: Editorial der Pharmazeutischen Zeitung unter dem Titel: Selbstverständlich - http://www.pharmazeutische-zeitung.de/editor.htm

Wenn eine berufsgruppe sich Heldenhaft im Kampf gegen die Vogelgrippe an die Front versetzen lässt und sich todesmutig für uns potientielle Grippeopfer in die Schußlinie stellt, dann kann es sich nur um die einzigartige Berufsgruppe der Apotheker handeln.

Die Pharmazeutische Zeitung hat diesen Heldenmut erkannt und trotz der nicht erwähnenswerten Selbstverständlichkeit ein Editorial geschrieben, dass uns zeigt wie großartig und genial doch diese Apotheker sind.

Unter anderem schreibt Herr Rücker:
"Nach dem Selbstverständnis der Apotheker ist dieses Engagement kaum der Erwähnung wert. Sie haben den Versorgungsauftrag, sie sind die Fachleute. Dennoch ist es bemerkenswert. In einer Zeit, in der sich Politiker aller Parteien fragen, ob nicht allein auf Marktanteile und maximalen Ertrag ausgerichtete Konzerne die Arzneimitteldistribution besser organisieren könnten, liefern die Apotheker eine klare Antwort. Wer Versorgung nicht mit möglichst billiger Logistik verwechselt, der kann nicht ernsthaft am Sinn des freien Heilberufs zweifeln. Es kann doch niemand glauben, dass internationale Versandkonzerne oder große Apothekenketten zwischen Heiligabend und Neujahr rund um die Uhr arbeiten würden, ohne sich dies angemessen oder am besten unangemessen hoch vergüten zu lassen! Die neue Regierung sollte dies bedenken, wenn sie statt einer dringend notwendigen GKV-Finanzreform doch wieder nur die Energie zu einer Kostensenkung über die Deregulierung der Versorgung aufbringt."
Wenn ich diesen Absatz richtig interpretiere, dann kommt mir der Verdacht, dass es hier nicht um die Eindämmung einer drohenden Grippeepedemie als vielmehr um einen Seitenhieb gegen die Versandapotheken und den damit einhergehenden Umsatzrückgang bei den konventionellen Apotheken geht. Dazu sei nur gesagt, dass es an jeder Ecke zig Apotheken gibt. Mehr als man überhaupt braucht. Auch der Seitenhieb gegen die Politik finde ich bemerkenswert; klingt er doch fast schon wie die Vorderung nach einer Eindämmung der Aktivitäten von Versandapotheken und dem Verwerfen von Sparplänen zur Sicherung der Erträge.

Natürlich freuen sich die Apotheker über Ihre Rolle als wichtige Tamiflu-Versorger. Tamiflu kann man halt mit einer guten Marge verkaufen (siehe hier).

Und so wird fleißig weiter gelobhudelt:
"Niemand kann dies so gut wie die Apotheker."
"Für die Apotheker als Heilberufler ist es selbstverständlich, die Arzneimittelversorgung in möglichen Krisenzeiten zu übernehmen"
"Es sind aber nicht nur die Verbände und Kammern, die die Verantwortung für die Arzneimittelversorgung vorbehaltlos akzeptieren. Die meisten Apotheker sehen sich hier persönlich in der Pflicht."
So. Genug des Lobes. Sonst ist ja kaum noch Platz für Informationen. Immerhin besteht das Editorial nur aus sechs kleinen Absätzen.